Mein unbedingtes Verlangen nach bestimmten materiellen Dingen war in Wirklichkeit gar nicht meins….

Familienaufstellung mit Holzfiguren als Bodenankern mit Grenze, Räumen, Booten, die durch Seile dargestellt sind und Stein für die Rückgabe

„Follow Your Feelings“ – danach lebe ich. Ich folge meinen Gefühlen. Immer wenn ein Gefühl von der Balance-Linie abweicht, sprich nicht in Gelassenheit ist, folge ich ihm. Nicht immer gleich, manchmal dauert es eine Weile bis ich es begreife. Aber vor ein paar Monaten ist mir ein Gefühl aufgefallen, das sehr stark ist, also sehr weit von der Gelassenheit entfernt.

Mir ist aufgefallen, dass ich ein unbedingtes Verlangen habe, Dinge zu bekommen. Materielle Dinge. Wenn ich etwas sehe, das ich will, dann ist der Drang es zu bekommen unglaublich hoch. Ich muss das unbedingt haben und dann hängt auch mein Glück davon ab.

Ich habe eine Liste von Dingen in meinem Kopf die ich gerne haben möchte, sie mir im Moment aber nicht leisten kann oder will. Und diese Liste gehe ich durch und ärgere mich, dass ich diese Dinge im Moment noch nicht habe.

Wenn ich so darüber nachdenke, hatte ich dieses Gefühl schon als Kind. Alles Geld, das in meine Spardose gewandert ist, habe ich wieder herausgeholt, weil es gerade etwas gab, das ich mir unbedingt kaufen wollte. So lange habe ich dieses Gefühl schon und jetzt erst ist es mir aufgefallen. Es ist Gewohnheit, dachte ich, so ist das bei mir.

Und dann vor einiger Zeit, als es mich mal wieder besonders geärgert hat, habe ich gedacht: Was wäre, wenn ich dieses oder jenes Ding von meiner Liste jetzt hätte? Was wäre, wenn ich mir XY jetzt gekauft hätte? Ich würde mich darüber freuen und dann? Dann würde es da liegen. Im Regal stehen. Es ist nichts, was ich jetzt unbedingt zum Leben brauche. Alles auf dieser Liste sind Dinge, die ich nicht unbedingt brauche. Es sind nur Dinge, die ich gerne hätte.

Und da habe ich begriffen, dass die Dringlichkeit, mit der ich meine diese Dinge haben zu müssen, die Intensität des Gefühls, das ich das jetzt unbedingt will, viel zu stark ist. Die Intensität, dass ich diese Dinge jetzt will und die tatsächliche Notwendigkeit, dass ich sie jetzt wirklich brauche, stehen in keinem Verhältnis zueinander.

Also bin ich dem Gefühl gefolgt.

Um das Thema zu lösen, hat eine Aufstellung als Methode am besten getestet und ich habe direkt los gelegt.

Als erstes habe ich die Bodenanker ausgewählt.

Info: Ein Bodenanker ist eine Figur, die in einer Aufstellung einen Menschen, ein Gefühl, ein Trauma etc. repräsentiert und auf dem Boden an der Stelle „verankert“.

Ich habe einen Bodenanker für mich und einen für das Gefühl des „unbedingten Verlangens“ ausgewählt und auf dem Boden so aufgestellt, wie es sich für mich richtig angefühlt hat.

Sofort konnte ich spüren, dass hier noch jemand fehlt in der Aufstellung und so habe ich in meinem Genogramm getestet, ob und wer von meiner Familie hiermit etwas zu tun hat. Es hat direkt meine Oma getestet.

Info: Ein Genogramm ist eine Art Stammbaum. Die Mitglieder der Familie werden von dem Aufsteller ausgehend bis zu den Großeltern und manchmal Ur-Großeltern bildlich mit Symbolen dargestellt.

Also habe ich noch einen Bodenanker für meine Oma dazugestellt.

Und da war sofort klar, das Gefühl des „unbedingten Verlangens“ ist nicht mein eigenes Gefühl, sondern das meiner Oma. Als ich mich als Stellvertreter in den Bodenanker meiner Oma gestellt habe, habe ich deutlich wahrgenommen, was sie fühlt.

Info: Wenn man bei einer Aufstellung wie in diesem Beispiel seine Oma aufstellen möchte, braucht man dafür einen Menschen, der als Stellvertreter für die Oma in der Aufstellung steht. Dieser Stellvertreter teilt dann mit, was er fühlt, spürt, welche Bilder und Sätze während der Aufstellung in ihm hochkommen.

Sie wollte Dinge auch unbedingt haben, aber dann kam bei ihr das Gefühl hoch, dass das eine andere Welt ist, wo Leute Dinge haben und sie in einer anderen Welt lebt, wo das nicht so ist. Das hat sie unglaublich traurig gemacht und sie hat resigniert.

Meine Oma war als Kind sehr arm und auch als erwachsene Frau und Mutter musste die Mark oft zweimal umgedreht werden. Das hat bei ihr zu diesem Gefühl geführt, dass sie bestimmte Dinge nicht haben kann, die andere Menschen in dieser anderen Welt haben.

So habe ich herausgefunden, dass das „unbedingte Verlangen“ nicht mein Gefühl ist, sondern in Wirklichkeit zu meiner Oma gehört. Ich habe es von ihr übernommen und es ist jetzt Zeit, ihr das Gefühl zurückzugeben.

Um die Rückgabe des Gefühls vorzubereiten habe ich erstmal eine Grenze zwischen mich und meine Oma gelegt. Dann habe ich noch für jeden ein Boot, d.h. einen eigenen Raum gelegt.

Info: Bei einer Aufstellung können Hilfsmittel wie Seile, Steine, Tücher etc. benutzt werden, die bestimmte Dinge symbolisieren. Mit einem Seil kann eine Grenze gelegt werden. Wird ein Kreis um eine Person gelegt, symbolisiert das ihren eigenen Raum. Dies wird auch als Boot bezeichnet. Jeder Mensch kommt mit einem eigenen Boot=eigener Raum auf die Welt, auf dem sein Name steht und auf dem er Kapitän ist.

Da ich das Gefühl von meiner Oma übernommen habe, heißt das, dass zwischen uns bestimmte Verstrickungen bzw. unbewusste Dynamiken bestehen. Diese müssen erst gelöst werden, bevor ich das Gefühl zurückgeben kann.

Eine unbewusste Dynamik ist hier die Verschmelzung oder Symbiose. Ich bin sozusagen mit meiner Oma verschmolzen oder identifiziert. Dadurch kann ich genau fühlen, wie es ihr geht und was sie braucht.

Um die Verschmelzung zu lösen habe ich mich zuerst auf ihren Platz gestellt, habe gefühlt wie es mir da geht, dass ich mich dort sehr gut auskenne und bin dann von dem Platz herunter in mein eigenes Boot gegangen.

Dann habe ich folgende heilende Sätze gesprochen:

„Ich bin ich und du bist du. Du hast dein Leben und ich habe mein Leben. Du hast dein Schicksal und ich habe mein Schicksal.“

Dann habe ich mich zu ihr auf ihr Boot gestellt und habe gefühlt wie gut ich mich dort auskenne. Aber dort ist nicht mein Platz, sondern mein Platz ist auf meinem eigenen Boot und dorthin bin ich dann auch wieder zurückgegangen.

Info: Menschen gehen auf Boote anderer Personen, weil sie unbewusst denken, dass sie dieser Person so helfen können. Aber dadurch dringen sie in den ureigenen Raum dieser Person ein. Gleichzeitig ist ihr eigenes Boot in dem Moment führerlos.

Dann habe ich einen schweren Stein genommen. Dieser Stein ist ein Symbol für das Gefühl des „unbedingten Verlangens“ und auch für das Leid, das ich für sie tragen wollte.

Diesen habe ich ihr wieder mit heilenden Sätzen zurückgegeben:

„Dieses Gefühl, das ist dein Gefühl, und das Leid, das ist dein Leid. Ich wollte es für dich tragen, als wäre es meins. Aber es ist nicht meins. Es gehört zu dir und in dein Leben. Du hast es auf deine Art getragen, das war deine Art zu überleben. Ich achte das, indem ich es ganz bei dir lasse. Du bist die Große und ich bin die Kleine.“

An diesem Punkt hat es sich sehr gut für mich angefühlt und ich habe die Aufstellung an dieser Stelle beendet.

Damit die Verschmelzung auch vollständig gelöst ist, habe ich noch eine Liste mit verschiedenen Punkten zur Symbiose-Lösung mit dem Tensor durchgetestet, ob noch irgendetwas zur Lösung der Symbiose zwischen ihr und mir notwendig war.

Und tatsächlich sollte ich mir nochmal vorstellen, wie sie auf ihrem Boot steht und ich auf meinem. Und in meiner Vorstellung war ihr Boot riesig im Vergleich zu meinem. Das hat mir klar gemacht, dass es völlig verrückt ist, dass ich als kleine Enkelin meiner Oma irgendetwas abnehmen kann und es für sie tragen kann, damit es ihr besser geht.

Jedoch war da plötzlich ein Satz in mir:

Es ist meine Aufgabe, ihr zu helfen.

Hier hat eine Frequenz getestet, die ich mir eingeschwungen habe. Danach war der Satz gelöst.

Fazit:

Mein ganzes bisheriges Leben habe ich dieses Gefühl des “unbedingten Verlangens“ mit mir getragen, als wäre es meins. Es hat mir Stress gemacht und mein gefühltes Glück beeinträchtigt und in gewissem Maße auch meine Kaufentscheidungen. Durch die Behandlung konnte ich es lösen und mich von Gefühlen befreien, die niemals meine waren.

Seit ich diese Aufstellung/Behandlung bei mir gemacht habe und ich dies hier schreibe, sind mehrere Monate vergangen. Das Gefühl des „unbedingten Verlangens“, dieses „brennende Begehren“ ist komplett verschwunden. Einige der Dinge auf meiner Liste möchte ich immer noch, aber die Intensität ist weg. Ob oder wann ich diese Dinge bekomme löst keinen Stress mehr in mir aus. Ja, irgendwann vielleicht, aber bis dahin beeinträchtigt es nicht mehr mein Glück.